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GLOBALES GELD

Wenn man auch unaufmerksam Vorhaben und Erwartungen von zeitgenössischen Elitten und Massen verfolgt, so stellt man eine ganze Reihe von wesentlichen Tendenzen fest. Das ist vor allem die Globalisierung. Die diese Prozesse leitenden Menschen sind im Zustand einer unglaublichen Aufregung, denn sie haben ähnlich wie die ersten Astronomen kürzlich verstanden, daß die Erde eine Kugelform hat. Die erste Folge der Globalisierung ist, daß viele Menschen sich dessen bewußt werden, daß die Erde eigentlich nicht eine so große Kugel ist und, daß die komfortabellen Stellen nicht für alle ausreichen können. Denn eine sichere und geschützte Stelle kostet viel. Aber das Leben geht weiter, und ein untrennbarer Bestandteil eines globalen Wirtschaftprozesses ist die Arbeit von Hunderten und Hunderten Millionen Menschen zwecks der Bereicherung, des Wohlergehens oder einfach zwecks des Überlebens. Als Äquivalent eines gesicherten, stabilen Lebens eines Menschen tritt das Vorhandensein von bestimmten Geldsumme hervor. Das Geld ist wie eine Garantie für Sex, wie eine virtuelle Garantie für Gesundheit und Fristverlängerung des Todes. In den zivilisierten Konsumgesellschaften hat das Geld an Bedeutung einer eigenartigen magischen Panazee gewonnen - einer verfälschten fetischen Einstellung zu seiner erstrangigen Funktion. Das ist ein sogenanntes Komplex vom „goldenen Stier“. Und das ist keine Ausnahme, sondern eine Diagnose.

Gleichzeitig mit dem Globalisationsprozeß dauert der Prozeß der Sexualisation der Gesellschaft. Im System des modernen Warentausches steigt die Quote vom Sex unabweichend hoch. Er wird immer zugänglicher, äußerlich mannigfältiger, relativ billiger und trotzdem kann er die Bedürfnisse von Rezipienten nicht befriedigen. So haben die Sexhändler die Chancen nicht weniger zu verdienen, als die Erdöl- oder Waffenhändler. Die Welt der Psychoanalyse und der Sexualität ist in Verfall geraten worden, aber außerdem kann man eine andere Welt beobachten, die schon nicht mehr durch die Begriffe der Verdrängung oder des Unbewußten erklärt wird, sondern durch die Begriffe eines Spiels, einer Herausforderung und Verführung, - durch die Welt, wo das Weibliche nicht mehr dem Männlichen gegenübersteht, sondern ihn verführt.

Am meisten verführerisch in unserer pragmatischer Zeit ist wiederum das Geld (dessen Menge). Es verkörpert heute den Eros-Tanatos, den wir anstreben und fürchten (alles Erträumte wird gewünscht, alles Verwircklichte ist tot).

Veränderungen, die im Prozeß der Globalisation stattfinden, haben keinen evolutionären, sondern einen revolutionären Charakter. Die Kunst kann nicht abseits bleiben. Wir schlagen vor, das Verhältnis zum Geld zu ändern - die Bilder darauf (auf Geldscheinen und Münzen) zu ändern und gleichzeitig das Geld durch einen einheitlichen globalen Namen zu unifizieren.

Man braucht ein neues globales Geld. Es ist die Zeit neue Geldzeichen einzuführen – Akte (Geldscheine) und Koppulationen (Münzen). Der Name, der vom häufigsten Naturinstinkt abgeleitet worden ist, der in der ganzen Welt praktiziert und respektiert wird, wird unsere Ideologie in eine natürliche Bahn lenken. Denn die Kindergeburten, das Kapital, die Kunst sind die Methoden der Anhäufung...

Da man den Globalisierungsprozeß nicht aufhalten kann, soll man ihn als eine Chance benutzen. Mindestens dem Geld seine Adäquität zurückzugegen. Das von uns benutzte Geld hat meistens ein positives Image. Auf Geldscheinen werden sichere, klare und weitgehende Blicke der toten Nationalhelden, Fragmente der Baudenkmäler oder Touristengebiete dargestellt. Alles mit dem Geld verbundene Negative wird nicht zur Schau gestellt, sondern sorgfältig versteckt. Das Geld riecht nicht. Aber wir müssen ehrlich anerkennen, daß das Geld nicht nur den humanitären Zwecken dient. Mehr adäquat zum heutigen Wesen des Geldes würden Geldscheine sein, wo die Abbildungen nicht nur der bukolischen, sondern auch der Bourdellakten angebracht werden, nicht nur positive, sondern auch negative Zivilisationshelden, die Abbildungen nicht nur urbanistischen Utopien sondern auch der Antiutopien... So ist die „Wahrheit des Lebens“.

Die vorgeschlagene „globale Geldreform“ soll dem Geld die ihm wesentliche Infernalität entbehren und es der heutigen Kultur entsprechend machen. Künstlerische Meisterwerke der verschiedenen Zeiten und Völker würden „Akten“ und „Koppulationen“ veranschaulichen. Die Darstellung eines Sexaktes wird den Liebhabern der hohen Summen wohl an die in ihren Kreisen verbreitete falozentrische Praktik erinnern - „besitzen“ (Partner, Konkurenten oder Sekretärin). Andererseits soll es daran erinnern, was für dieses Geld bis jetzt nicht käuflich ist - Liebe, und nicht der Sex, Gefühle, und nicht die Beziehungen... Gleichzeitig wird das Geld unsere Vorstellungen weiter wecken und sie in die Realität lenken - proportionell dem Wert eines Geldscheines in der Hand und der Offenheit des Bildes darauf.

Künstler sehen natürlich weiter als Spießbürger. Die regierenden Elitten sollen sich dessen bewußt werden, und dann sich selbst und den durchschnittlichen Konsumenten eine Möglichkeit geben, aufs Geld anders zu schauen.

Das Geld ist eine Sonderware, daß die Rolle einer allgemeinen Äquivalenz spielt (in dem sich der Wert von allen anderen Waren ausdrückt) und ist ein allgemeines Umtauschmittel. Das Geld bewährt die einer Ware eigentlichen Eigenschaften - Konsumentwert und Wert und gleichzeitig steht es in einem bestimmten Sinne den anderen Waren gegenüber.

© Anatolij Zwizhynskyj
© Rostyslaw Koterlin